Von 1237 bis 1878 - 600 Jahre Grafenweidner Geschichte auf wenigen Quadratmetern

Das mittelalterliche Dorf Grafenweiden: unbekannt in Nah & Fern. Kommen Sie vorbei:

"Schau´n Sie sich das an!" (Zitat nach Waldbrunn & Farkas)

Vor unserem "Alten Jägerhaus" haben wir auf wenigen Quadratmetern Objekte für eine Zeitreise von mindestens 600 Jahren zusammengestellt. Ein geführter Spaziergang führt sie in wenigen Minuten durch den Zeitrahmen von mindestens 1000 Jahren.....


Spezielles Interesse an der Zeit des Mittelalters; Terminwunsch für Besichtigung; Fachfrage oder Hinweis auf neue, bisher unbekannte Quellen? Schreiben Sie uns:



HISTORISCHES SCHWEMMLAND ZWISCHEN EUPHRAT & TIGRIS? NEIN!: ZWISCHEN STEMPFEL- UND RUSSBACH - ein historischer Bogen:

Rund um 1000 Jahre Geschichte! Es tat sich was im "Gemeindegebiet Grafenweiden"! Zur Beurteilung des menschlichen Einflusses auf heutige Struktur und Ökosysteme wird die historische Entwicklung dieses Gebietes in Erinnerung gerufen:

  • Schwemmland zwischen den beiden Bächen im Einfluss großer Donauhochwässer
  • Bis 1000 n.Chr. ~ Menschliche Nutzung anzunehmen/kein Nachweis im Gebiet selbst/
  • Um 1000 n.Chr. ~ Gründung des "Dorfes" Grafenweiden (Ausdehnung durch die Arbeit von SCHADEN um 1920 einigermaßen definiert)
  • 1260 n. Chr.  Schlacht bei Kressenbrunn (Groissenbrunn) - Grafenweiden als Heerlagerplatz durch neue Forschungsergebnisse nachgewiesen
  • Um 1450 n.Chr. ~ Dorf und "festes Haus" Grafenweiden wird niedergebrannt; Vegetation wird (tw.) mitgebrannt haben.
  • 1450 bis 1693 n.Chr. ~ "Ödes Dorf" - Kulturgattung unklar / Boden-bzw. Waldnutzung durch die Bewohner der Umgebung  wahrscheinlich / Karpatengranit-Bausteine werden in der Region "wiederverwendet".
  • 1693/94 n. Chr. Bau eines Jagd-Schlosses Niederweiden für/durch Ernst Rüdiger von Starhemberg - angrenzende Flächen (heutige Grafenweiden) vermutlich als Park / Landwirtschaft / Wildtier-Versorgung genutzt (Gutshof-Rest heute noch im Gebiet vorhanden)
  • 1725 Erwerbung durch Prinz Eugen - Gärtnerische & jagdlich-orientierte Gestaltung des Gebietes - Gartenkonzept integriert die Ruine des festen Hauses Grafenweiden ("Fasangarten")
  • 1755 Erwerbung durch und 1765 Umbau des Schlosses Niederweiden für Kaiserin Maria-Theresia. Umgestaltung des Parks wahrscheinlich. Meierhof = Rinderhaltung im heutigen Gebäude Niederweiden 3 (dzt. Privatbesitz) nachweisbar.
  • Ab 1780 geraten Schlosshof und Niederweiden in Vergessenheit und werden durch die kaiserlichen Familien kaum mehr genutzt! Land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Flächen wird weitergeführt worden sein.
  • 1878 neue Vermarkung nachweisbar (Grenzstein in der Grafenweiden)
  • 1898 Kaiser Franz Josef übergibt Gebäude (und Flächen) dem k. & k. Militär zu Ausbildungszwecken (Reiten & Fahren) zur Nutzung.
  • 1919 Schloßhof & Niederweiden fallen unter das "Habsburger Gesetz".
  • Um 1925 Gebäudenutzung des heutigen "Alten Jägerhauses" für Jagd- / Forstpersonal (2 Familien) nachweisbar. Land-, forst- und jagdwirtschaftliche Nutzung der Flächen.
  • 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts - Gasthof im eigenen Gebäude nördlich des Schlosses Niederweiden nachweisbar (Gasthaus Standort und -garten heute noch nachweisbar)
  • 1938 Reit- und Fahrschule des Wehrkreises 17 der deutschen Wehrmacht - dzt. noch kein Nachweis über Flächennutzung.
  • 1945 Endkampf - Gasthaus wird zerbombt und im Erdkampf zerstört (Ruderalfläche <Waldrebe/Hopfen/Ruderalvegetation/Schwarzer Holunder> heute noch nachweisbar)
  • Ab 1955 Land-, forst- und jagdwirtschaftliche Nutzung des Gebietes (z.B. Fasanerie im westlichen Anschluss an heutiges "Altes Jägerhaus".)
  • 2. Hälfte 20. Jahrhunderts landwirtschaftliche Nutzung der Offenflächen; forstliche Nutzung der Wälder nachweisbar (für damaligen Verhältnisse "typische Aufforstungen");
  • Beginn 21. Jahrhundert - Teilflächen des Offenlandes kurzzeitig Tiergatter für "Wildtiere"
  • 2013 Übernahme der Flächen und Beginn der Bearbeitung durch das Team der Pflanzenwerkstatt Grafenweiden.


GRAFENWEID`NER KIRCHE - NACH 500 JAHREN WIEDER ZUR ANDACHT GEEIGNET

"Grafenweidner Kirchenhügel" - Versturzhügel der Kirche des mittelalterlichen Ortes Grafenweiden (heute Wüstung) - seit 2013 hängt wieder ein "Hochaltarbild" an diesem historischen Ort.
Grafenweidner Kirchenhügel


GRAFENWEID`NER OSTGRENZE MIT BLECHANEN HERRGOTT MARKIERT?!

Grafenweidner Kirchenhügel

"Blechane Herrgott auf der Grafenweid´ner Grenz" nach Vandalismusakt wieder aufgestellt

Die Restaurierung und Neufassung wurde vom Künstler Gustav WEISS unter Verwendung historischer Materialien durchgeführt. Es ist ihm herzlichst für seine einfühlsame Arbeit zu danken! Wiederaufgestellt wurde er vom Team des FORUM Pflanzenwerkstatt Grafenweiden.

Das religiöse Kleindenkmal - der "Blechane Herrgott auf der Grafenweid´ner Grenz" erinnert an die mehr als tausend jährige Geschichte seines Standorts. Blickt man(n)/frau ihn bei der Andacht in´s Gesicht und schaut auf, fällt der Blick auf das Schlachtfeld der Schlacht bei Groissenbrunn im Jahre 1260 (~ 10.000 Tote auf ungarischer Seite/die böhmischen und "österreichischen" Verlust unbekannt).

Der Standort entspricht ungefähr der östlichen Außengrenze des mittelalterlichen Dorfes Grafenweiden (gegründet ~ 1000; 1337 erstmals urkundlich erwähnt). Diese Siedlung mit festem Haus ("Burg"), Gutshof, Kirche und dutzenden Hausplätzen wurde 1450 niedergebrannt. Dabei sollen 300 (oder nach anderen Überlieferungen 900 Personen) um´s Leben gekommen sein.

Er steht im Schatten des letzten Feldbaums "außer der Reihe" der Allee Schloßhof - Niederweiden. Dieser erinnert an die  “Schatten Bäume” vergangener Tage und das Kreuz diene dem Gedenken an die unzähligen Fuhrwerker, Kutscher, Reiter, Herrschaftsgärtner, Herrschaftsjäger und -förster genauso wie an unzählige Bewohner der Herrschaft "Grafenweiden/Niederweiden/Markthof/Schloßhof/Groishenbrunn" welche in den Jahrhunderten vom 18. bis heute zur Marktgemeinde Engelhartstetten im 21. Jahrhundert hier im/beim Park des Schlosses, mit und in diesem ihr Leben in Freud & Leid geteilt haben.

Glaubhafte Überlieferungen gibt es vom Donauhochwasser 1830, das dem Markthofer Jäger seinen Sohn kostete, während der Sohn des Grafenweid´ner Jägers noch nach Hause kam. Auch die Ereignisse in den letzten Tages des 2. Weltkrieges, das in der Grafenweiden jedenfalls einer Familie ihr Heim und ihre Arbeitsstätte kostete, sollten im christlichen Andenken bewahrt werden. Auch der "friedliche Zeitraum" seit 1955 kostete hier am "Eisernen Vorhang" entlang der March so manchen das Leben, wie wir heute wissen und dies nicht nur im Straßenverkehr.

So sei uns Allen, Einheimischen wie vor allem Besuchern, Forstleuten, Jägern, Landwirten, Gärtnern, Tierpflegern, Gewässerverwaltern und allen Anderen, welche ihn im hektischen Alltag hier wahrnehmen, der "Blechane Herrgott an der Grafenweid´ner Grenz", im christlichen Gedanken der Nächstenliebe, Erinnerung an die Vergangenheit sowie Auftrag und Hoffnung auf eine gedeihliche, friedliche, gemeinsame Zukunft diesseits und jenseits der March.



RECHTLICHES: HOBBY-ARCHÄOLGINNEN, METALLSUCHGERÄTE-ANWENDERINNEN - HÄNDE WEG VON DER GRAFENWEIDEN!

Das gesamte Gebiet der Grafenweiden wurde mittels Bescheid zum (Boden)-Denkmalschutzgebiet erklärt.

Jeglicher Eingriff in den Boden durch Unbefugte ist daher untersagt! Zuwiderhandlungen werden ohne Ausnahme zur Anzeige gebracht und damit (verwaltungs)strafrechtlich verfolgt.

Allfällige Oberflächenfunde sind unbedingt unberührt zu belassen und zu melden!

Denkmalschutzgesetz - Info

Gemäß § 11 des Bundesgesetz betreffend den Schutz von Denkmalen wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen oder sonstigen kulturellen Bedeutung (Denkmalschutzgesetz - DMSG), BGBl. Nr. 533/1923, i.d.g.F. ist Nachforschung durch Veränderung der Erdoberfläche bzw. des Grundes unter Wasser (Grabung) und sonstige Nachforschungen an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche verboten bzw. an eine Bewilligung des Bundesdenkmalamtes gebunden! 

.... jede Verwendung von Metallsuchgeräten oder sonstigen Bodensuchgeräten auf diesen Grundstücken zu welchem Zweck immer - ausgenommen durch die in Abs. 1, 2 und 9 erwähnten Personen (und ihre Beauftragten) im Rahmen ihrer Grabungs- und Untersuchungsberechtigung - der Bewilligung des Bundesdenkmalamtes.

Fundmitteilung - Verdachtshinweis - Information:



GRAFENWEIDEN - ZEITSPIEGEL - das Wenige welches wir derzeit nachweisen können ...

Gründungsdatum unbekannt.

Angenommen werden darf, dass der Feste Ort "Grafenweiden" dem Schutz der Bernsteinstraße und der Sicherung der Übergänge über die March diente

Nach neueren Forschungen, publiziert in "Die Schlacht bei Groissenbrunn anno 1260: Entscheidung im Marchfeld" von Hermann Klima, 2009, war Grafenweiden Teil dieser Schlacht.

ZEITREIHE (nach Quellen des BDA)

Erste urkundliche Erwähnung: 1045 Besitz des Markgraf Siegfried (nach Quellen des BDA)

1233 als Adelssitz nachweisbar

1260 Schlacht bei Groissenbrunn

1337 Bezeichnung Grafenweiden erstmals belegt, vermutlich bereits im Besitz der Grafen von Hardegg

1412 Pottendorfer (Wikipedia) 

1433 Kuenringer (Wikipedia)

1437 Lienhart Arberger, der mit Pankratz von (Halicz <Wikipedia>) Liptau (<BDA>) die Umgebung plündert.

1448 & 1450 - vermutlich auf seinem Kriegszug 1450 beendet Graf Ullrich II von Cilli die räuberischen Aktivitäten von Arberger/Halicz (Liptau): Burg und Dorf Grafenweiden werden in "Schutt & Asche" gelegt; Burg Grafenweiden wird aufgegeben.

1529 (spätestens) Dorf & Burg öde

1595 als "Öde Veste" in den Besitz der Freiherrn von Prankh 

1685 Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg, als Eigentümer

1693/1694 lässt er von Johann Bernhard Fischer von Erlach das Schloss Niederweiden samt Park errichten - aus einem mittelalterlichen Dorf wurde somit ein barocker Schloßpark.

1726 Jagdschloss zusammen mit der Herrschaft Schloss Hof an Prinz Eugen von Savoyen.

 

 

Zum Gebäude: Grafenweiden 1 - früher Niederweiden 2 - noch früher "Fasangartenjägerhaus"?

Über das Baujahr des Hauses kann derzeit noch keine gesicherte Auskunft gegeben werden. In den Mauern wurden z.T. jedoch Steine (Granit) aus dem Festen Haus Grafenweiden (sekundär ?) verwendet. Es handelt sich um "Granit aus den kleinen Karpaten", wie er auch bei der Burg(ruine) Theben verwendet wurde. Dieses ist jedoch in Engelhartstetten bei einigen älteren Gebäuden festzustellen, so z.B. bei den Fundamentmauern der Kirche.

Ob das Gebäude - heute mit Beschluß des Gemeinderates als "Grafenweiden 1" bezeichnet - das letzte von "Grafenweiden" ist oder als Funktionsgebäude zum Schloß Niederweiden erbaut wurde, werden die Forschungen der nächsten Jahre (hoffentlich) ergeben.

Die gefundenen Stiegenteile weisen jedoch auf die Zeit vor dem Barock!

Im 20. Jahrhunderts war es jedenfalls als Wohn- und Kanzleigebäude zweier Familien (Bediensteten der Österreichischen Bundesforste) in Verwendung. 1949 sollte es zu einem "2-Familien-Wohnhaus" umgebaut werden. Dazu kam es jedoch nie. (Quelle: Bauakt Gemeinde Engelhartstetten). 

In den letzten Jahren der Nutzung diente als den jeweiligem Jagdpächter als "Jagdhaus".

Das Team der Pflanzenwerkstatt versteht sich - nicht zuletzt durch den Focus auf den Zeitraum des Mittelalters - als "Wiederbesiedler" der Wüstung Grafenweiden.

Granitsteine - als Quader behauen oder nur geformt - in sekundärer Verwendung im Untergeschoss des "Alten Jagdhauses"

Spuren

Es finden sich in alten Gebäuden der Region Steinmauern, welche aus Granit ausgeführt sind. Dieses Gestein kommt im Bereich der Karpaten vor und wurde scheinbar über March als Auflast auf Flössen oder mit "Steinschiffen", sowie Fuhrwerk nach Grafenweiden transportiert. Gemäß eines Gewölbes des "Festen Hauses" Grafenweiden wurden diese zum Bau dieses Gebäudes  verwendet. Aus dem selben Gestein wurde auch die Burg (heutige Ruine) Theben erbaut.

Dieser feinkörnige Granit findet sich, vermutlich in Sekundärverwendung, bei den Mauern in der Engelhartstettner Kirche als auch im zum Schloß gehörigen Bedienstetengebäude in Loimersdorf (Museum Kreiner).

Auch die im Bereich des Gebäudes gefundenen Reste einer steinernen Wendeltreppe, aus Sandstein, vermutlich St. Margareten, welche jener im Schloß Orth sehr ähnelt, lässt Schlüsse auf das Alter des Gebäudes aus der Zeit vor "Prinz Eugen" zu.

 

 



Das Team der Pflanzenwerkstatt Grafenweiden freut sich auf Ihre Anfrage:






ZUM NACHLESEN:

Lese-Tipp

Hermann Klima Die Schlacht bei Groißenbrunn anno 1260 Entscheidung im Marchfeld Reihe: Geschichte Bd. 95, 2010, 56 S., 14.90 EUR, br., ISBN 978-3-643-50149-3 LIT-Verlag Wien, Berlin ...

Buch-Tipp

Neuerscheinung: "Wüstungsforschung und Denkmalpflege in Niederösterreich" (FÖMat A 20); Anforderungen und Aufgaben der archäologischen Denkmalpflege am Beispiel mittelalterlicher Siedlungsstrukturen. Weitere Info: hier klicken

Buch-Tipp

"Burgruine in Niederösterreich", 2012 Books LLC, Reference Series / Books on Demand 30 S.  Kartoniert; ISBN 978-1-158-78422-6 Weitere Info: hier klicken



Aufruf - der Geschichte gemeinsam auf die Spur zu kommen ....

Haben Sie Interesse am mittelalterlichen Ort Grafenweiden? Sind Sie bei Ihren Arbeiten zufällig auf eine Quelle/Erwähnung von Grafenweiden oder deren Besitzer gestoßen, wollen Sie einen Beitrag leisten - dann nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf!

Das Team der Pflanzenwerkstatt Grafenweiden, unterstützt durch eine Reihe fachkundiger Personen, ist bemüht, die Geschichte der "Grafenweiden" neu aufzuarbeiten. Wir freuen uns auf Ihren Hinweis, Beitrag, Ihre Mitarbeit:



Pflanzenwerkstatt Grafenweiden vertraut auf:


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