"Rauhnacht" leitet sich vom traditionellen Beräuchern der Ställe mit Weihrauch durch den Priester oder den Hofbauern her. Schon Johannes Boemus (1520) und Sebastian Franck (1534) berichten über das Beräuchern: „Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache / für alle teüfel gespenst vnd zauberey.“
Seinen Ursprung hat der Brauch vermutlich in der Zeitrechnung nach einem Mondjahr. Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur 354 Tage. Wie in allen Mondkalendern, die keine ganzen Mondmonate in mehrjährigem Rhythmus als Schaltmonate einschieben, um mit dem Sonnenjahr in Übereinstimmung zu bleiben), werden die auf die 365 Tage des Sonnenjahres fehlenden elf Tage – beziehungsweise zwölf Nächte – als tote Tage (das sind Tage außerhalb der Zeit, im Besonderen außerhalb der Mondmonatsrechnung) eingeschoben.
Von solchen Tagen wird in Mythologien oft verbreitet angenommen, dass die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt seien und daher die Grenzen zu anderen Welten fallen. In vielen Kulturen, die so ein Kalendersystem verwenden, sind in dieser Zeitspanne mythische und magische Rituale üblich, und solche Bräuche haben sich im Brauchtum bis heute erhalten: Wie alt der einzelne Brauch wirklich ist, lässt sich im Allgemeinen nicht mehr genau feststellen.
Stützung fanden die Rauhnächte in der auch aus dem östlichen und zentralen Mittelmeerraum stammenden Interkalation zwischen Mond- und Sonnenjahr, die auch in christliche Mythenbildung übergegangen ist: So findet sich etwa ein enger Bezug mit der Sterndeutersage (Heilige drei Könige), wie sie im Matthäusevangelium (Mt 2,1-12 EU) überliefert ist.
(Quelle und weitere Infos: de.wikipedia.org/wiki/Rauhnacht)
Die Urangst vor der Finsternis
Nacht vom 28. auf 29. Dezember: Rabenschwarze Neumond-Nacht in der Grafenweiden, kein Stern blinkt am Himmel. Sturm kommt auf. Es heult rund ums Haus, es knackt und klopft ... Finstre Nacht - Rauhe Nacht - Rauhnacht! Die Wilde Jagd geht um!
Lange Nächte, kurze Tage: Die Thomasnacht, die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember ist die längste Nacht im Jahr. Auch heute, mit modernen Möglichkeiten der Wettervorhersage, elektrischem Licht und zeitgemäßen Baumaterialien kann eine solche Nacht durchaus als "Furcht einflössend" empfunden werden. Wie muss es dann erst unseren Vorfahren gegangen sein? Licht von Kerzen und Kienspan, undichte Holztüren, kleine Fenster, klappernde Holzschindel am Dach, .... Die Angst vor der oder in der Dunkelheit ist vermutlich so alt wie die Menschheit und wird in vielerlei Formen beschrieben, z.B. Angst im dunklem Wald.
Während in Österreich an vielen Orten das Brauchtum in den Rauhnächten lebt, hat sich im Marchfeld,trotz bayuwarischer Besiedlung, durchmischt mit Kroaten, Slowaken und Tschechen kein Rauhnachtsbrauchtum erhalten.
Eine moderne Form des Lichtbrauchtums, initiiert durch Kollegen aus dem Bezirk Lilienfeld, wird in der Grafenweiden gepflegt: das Heimkehrer-Licht. Vor allem nach den 2 Weltkriegen wurde es Brauch, eine Kerze ins Fenster zu stellen, um jenen welche noch nicht nach Hause kommen konnten, den Weg zu weisen. Man gedachte damit den Gefallenen aber auch den Kriegsgefangenen.
Gott sei Dank herrscht in Österreich seit Jahrzehnten Frieden. Doch die Wirkung eines Lichtscheins, einer Kerze ist auch im 21. Jahrhundert noch immer aktuell. Sie verspricht Wärme, ein Dach über den Kopf, vielleicht auch Menschlichkeit. Gedenken wir auch jenen, welche "noch nicht nach Hause kommen konnten", weil sie für uns, für unsere Sicherheit Dienst verrichten (Sanitäts- und Spitalspersonal, Sicherheitswacheorgane; Bedienstete im öffentlichen Verkehr u.v.a.). Vergessen wir auch nicht jene (KollegInnen), welche nie mehr nach Hause kommen können!
